Betriebliches Gesundheitsmanagement: Gesunde Mitarbeiter als Erfolgsfaktor

Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) als eine Leistung für die Mitarbeiter, hat sich in der Apothekenwelt leider noch nicht wirklich etabliert. Viele Inhaber sehen das BGM als ein Kostenpunkt und als eine Herausforderung, auf die man in der stressigen und unsicheren Zeit lieber verzichten sollte. Dabei ist BGM alles andere als ein Modeaccessoire der New-Work-Welle oder ein überflüssiges Zusatzpaket für die Mitarbeiter: BGM ist eine wichtige Voraussetzung zur Erschaffung und Gestaltung einer gesundheitsgerechten Arbeitswelt.

“Sie sitzen ja an der Quelle”: Gesunder Arbeitsplatz in der Gesundheitsbranche (?)

Paradoxerweise gibt es gerade in der Gesundheitsbranche einen großen Handlungsbedarf bezüglich der Gestaltung einer gesundheitsförderlichen Arbeitswelt, wie viele wissenschaftlichen Studien bestätigen. Eingeschränkter Handlungsspielraum, Emotionsarbeit, Unterbrechungen, mentaler Stress, hohe Anforderungen, Zeitdruck, kaum Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten, unflexible Arbeitszeiten und eine schlechte Bezahlung belasten viele Mitarbeiter des Gesundheitswesens. Die in dieser Branche bekannten psychischen und auch körperlichen Belastungen, machen die Berufe wenig attraktiv und werden als Gründe für den Nachwuchsmangel vermutet. 

Mein nachfolgender Beitrag „Gesundheitsmanagement: Gesunde Mitarbeiter als Erfolgsfaktor“  ist zuerst in der Zeitschrift PTA heuteAusgabe 3/2017 erschienen. 

Die Gesundheit der Mitarbeiter ist ein kostbares Gut, das es zu schützen gilt. Sowohl Arbeits- und Organisationspsychologen als auch Betriebswissenschaftler sind der Meinung, dass die Arbeitnehmer für ein Unternehmen wertschöpfend sind- und dass die Gesundheit der Beschäftigten einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität der angebotenen Leistung hat. Die Förderung der Gesundheit gewinnt auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung.

Moderne betriebswirtschaftliche Konzepte betrachten die Mitarbeiter nicht nur als Kostenfaktor, sondern vor allem als bedeutsamen Erfolgsfaktor. Der Verlust eines guten Mitarbeiters kann für den Wettbewerb eines Unternehmens relevant sein. Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter können daher durchaus einen Vorsprung im Wettbewerb bedeuten.

Gesundheitsmanagement: Baustein des Qualitätsmanagements

Die Qualität der Leistung muss vor dem Hintergrund des Wettbewerbs auf einem hohen und bestmöglichen Niveau bleiben. Die Sicherung der Qualität der Leistung der Leistungen, die in der Apotheke angeboten werden, ist inzwischen in der Apothekenbetriebsordung verankert und somit zur Pflicht und zum Alltag geworden. Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) sollte als ein Baustein des Qualitätsmanagements betrachtet werden – denn nur gesunde Mitarbeiter sid auf Dauer in der Lage, die bestmögliche Qualität zu leisten. Das BGM betrifft also die Gesundheit der Mitarbeiter und wie diese am besten dauerhaft erhalten oder gegebenfalls wiederhergestellt werden kann.

Sozialkapital

Die Beziehungen der Personen untereinander werden als Sozialkapital bezeichnet. Das Sozialkapital ist insbesondere in einem Unternehmen wie der Apotheke von großer Bedeutung, denn Arbeit und Erfolg hängen weniger von Maschinen, sondern vielmehr von den dort arbeitenden Menschen ab. Gute Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten haben einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlergehen der Mitarbeiter.

Vorgesetzte als Vorbild

Vorgesetzte sollen durch das eigene Verhalten eine Vorbildfunktion einnehmen. Der Umgang mit eigenem Stress, der Führungsstil, die Art, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren und wertschätzen, sind nur einige Aspekte, die einen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima des Unternehmens haben. Ein schlechtes Arbeitsklima wirkt sich nicht nur negativ auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus, sondern es ist auch nicht effizient.

Präsentismus: Krank zur Arbeit

Wenn Mitarbeiter krank am Arbeitsplatz erscheinen, spricht man vom Präsentismus. Ein Arbeitnehmer, der trotz Erkrankung zur Arbeit geht, kann durchaus größere wirtschaftliche Verluste erzeugen als jene, die durch die Fehlzeit entstehen – denn er ist nicht in der Lage, die Qualität zu leisten, die von ihm erwartet wird. Fehler bei der Abgabe der Arzneimittelabgabe oder der Arzneimittelzubereitung können schwere Folgen haben. Dennoch erscheinen viele Mitarbeiter aus Sorge um den Arbeitsplatz oder um Kommentare von Kollegen oder von Vorgesetzten zu vermeiden krank zur Arbeit.

Absentismus: Fehlen ohne Grund?

Absentismus liegt vor, wenn Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheinen, ohne dass sie krank sind. Dennoch fehlen die Mitarbeiter nicht ohne einen Grund. Mangelnde Motivation, berufliche, persönliche oder familiäre Probleme können die Ursachen dafür sein. Auch das Arbeitsklima spiegelt sich häufig in den Fehlzeiten der Mitarbeiter wider. Absentismus könnte als Vorstadium für eine Erkrankung aufgrund psychischer Belastung betrachtet werden.

Sinnstiftende Arbeit

Arbeitgeber sind unabhängig von der Unternehmensgröße gesetzlich dazu verpflichtet, die Arbeit menschengerecht zu gestalten und zu organisieren. Sinnstiftend und erfüllend wahrgenommene Arbeit wirkt sich auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter und positiv auf die Unternehmensbilanz aus.

„Jeder Euro, den ein Unternehmen in die betriebliche Präventionsarbeit investiert, zahlt sich in einem ökonomischen Erfolgspotenzial von 2,20 Euro aus“ (Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Jahrbuch Prävention 2012/2013: Prävention nachhaltig gestalten).

Erfolg überprüfen

Das BGM zielt darauf ab, Maßnahmen zu entwickeln, um die körperliche und psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen. Es ist jedoch ein kontinuierlicher und zyklischer Prozess, der gut geplant werden will und nur sinnvoll ist, wenn seine Nachhaltigkeit gesichert werden kann. Allen Aktivitäten voraus geht die Analyse des Ist-Zustands und die Festlegung der Ziele der Maßnahmen, erst dann können Interventionen geplant werden und anschließend nach ihrer Effektivität überprüft (evaluiert) werden.

 

Aktuelle Studie der Zeitschrift Personalwirtschaft:


Betriebliches Gesundheitsmanagement im Mittelstand 2019/2020