Stressmanagement: Verspielt, humorvoll, (un)professionell?

Spielen ist nicht nur auf das Kinderalter beschränkt: Verspielt und humorvoll zu sein, ist keine Frage des Alters. Aber die Frage des Kontextes. Im Kindesalter wird ein unbeschwertes Spiel, bei dem sich die kleinen Menschen kreativ austoben können als eine sehr relevante Bedingung für die Entwicklung betrachtet. Auch Erwachsene brauchen einen spielerischen Rahmen für die Entwicklung. Die Unterscheide zwischen Jung und Alt liegen jedoch im Kontext, Gegenstand und Motiven. Inwiefern sind jedoch Spaß, Humor und Verspieltheit am Arbeitsplatz professionell und erlaubt? Und was sagen die Wissenschaftler, die sich mit der Frage beschäftigen und sie erforschen?

Verspielte Menschen kombinieren das vorhandene Wissen mit neuen noch unbekannten Wegen. Sie nutzen die Verspieltheit auf verschiedene Art und Weise, um eine Lösung für existierende Probleme zu finden. Schlagfertigkeit ist eine Art der intellektuellen Verspieltheit: Innerhalb von Bruchsekunden werden kognitive Netze aktiviert – Paradoxien, Metaphern, Insider, Allgemeinwissen prahlen aufeinander und liefern Bausteine für eine zur Situation passende Bemerkung.

Verspieltheit als Vorteil?

„Es gibt ausreichend wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass verspielte Erwachsene andere in ihrer Kreativität übertreffen.“ – dieser Meinung sind sich Wissenschaftler, die das Phänomen der Verspieltheit untersuchen. Freude, Kreativität, Witz und Sinn für Humor, Ausdrucksstärke und Spontanität charakterisieren die Verspielten [1]. Dennoch sind die humorvoll Verspielten nicht immer über den eigenen „Trumpf“ glücklich. Kein Wunder, denn einen humorvollen Menschen ernst zu nehmen, fällt zugegebenermaßen schon per se ein wenig schwer. So müssen sich Verspielte ziemlich anstrengen, um zu beweisen, dass hinter dem Humorvollen auch Wissen und Professionalität stecken. 

„Nicht immer fördert ein Spiel die Kreativität und nicht jeder kreativen Leistung muss ein Spiel vorausgehen“ [1]. Vorgegebene Regel, fest definierte Ziele, unbeliebte Mitspieler machen aus einem Erlebnis eine Pflichtveranstaltung und kein Spiel. Teamentwicklungsmaßnahmen, die von den Teilnehmern etwas verlangen, bei dem man sich einfach nur albern vorkommt, sind kein Spiel und keine Entwicklungsmaßnahme in dem Sinne. Ein Spiel muss zur Persönlichkeit und zur Entwicklungsstufe passen.

Wie wird Verspieltheit definiert?

Es gibt einige Betrachtungsperspektiven und auch verschiedene psychologische Ansätze, die die Verspieltheit als eine Persönlichkeitseigenschaft zu definieren versuchen. Ein Großteil der Wissenschaftler betrachtet die Verspieltheit als ein Merkmal mit verschiedenen Facetten.

Professor Dr. René Proyer stellte vor Kurzem ein neues Modell der Verspieltheit vor: Das OLIW-Modell.[1]

OLIW unterscheidet die Verspieltheit in vier Facetten:

  • otherdirected: soziale Beziehungen mit anderen angenehm gestalten
  • lighttreated: unbeschwert sein, das Leben genießen und als Spiel zu sehen
  • intelectuell: spielen mit Ideen und Gedanken, vernetztes Denken
  • whimsical: offen sein für seltsame, witzige und groteske Situationen

Verspielte können mit ihrer Verspieltheit selbst in schwierigen Situationen Spannungen lösen, sie bevorzugen Komplexität vor Einfachheit und haben Vorlieben für ungewöhnliche Themen oder Objekte.

Verspieltheit wird darüber hinaus positiv mit gutem Wohlbefinden inkl. einer glücklichen Beziehung, mit akademischem Erfolg und mit einer erfolgreicher Stressbewältigung assoziiert.

Positiv gestimmt … meistens!

Es fällt einem lockeren Menschen schwer, sich dauerhaft unter Kontrolle zu halten, um als ernste Person zu gelten. Ebenfalls wird ein ernster Mensch, nicht wirklich locker und verspielt. Eine Persönlichkeitseigenschaft hat aber nichts mit der Emotion zu tun: So können auch Verspielte mal eine schlechte Laune haben, aber auch die steifen Kollegen mal einen “Clown gefrühstückt” haben. Emotionen sind das was wir gerade im Moment empfinden: Wut, Freude, Glück, Enttäuschung. 

Die unbeschwert Verspielten empfinden jedoch generell weniger Stress, als die weniger verspielten Kollegen und verfügen über bessere (adaptive) Strategien zur Stressminderung. Nicht-adaptive Stressbewältigungsstrategien (sog. „Flucht“-Verhalten wie z.B. Alkoholmissbrauch, um auf eine bessere Stimmung zu kommen, Absentismus, exzessives Feiern, Suchtverhalten etc.) zeigen Verspielte demgegenüber seltener.

Wie viel Verspieltheit hält eine Geschäftsbeziehung aus?

„Humor ist ein Spiel mit Ideen. Menschen, die humorvoll sind, gestalten ihre Alltagssituationen so, dass sie unterhaltsam und intellektuell anregend sind. Humor ist ein Moderator, der alles andere als überflüssig oder störend ist.” [2 a,b] Aus der arbeitspsychologischen Perspektive ist es nicht klug einen neuen Geschäftspartner direkt in den Wirbel der Verspieltheit mitzureißen, denn das könnte die Geschäftsbeziehung überfordern. Anderseits wird möglicherweise eine neue Geschäftsbeziehung nicht lange „glücklich“ laufen, wenn sich die Geschäftspartner in dem Grad ihrer Verspieltheit stark unterscheiden. Denn gerade “der gleiche Humor, in der richtigen Dosierung, zur richtigen Zeit” eine bestimmte Geschäftsbeziehung zur einer High Quality Connection machen kann.

Prof. Dr. René Proyer und M. Sc. Kay Brauer sind Psychologen an der Martin-Luther-Universität in Halle und gehen dem Zusammenhang zwischen Kreativität und Verspieltheit wissenschaftlich auf den Grund.

Proyer und Brauer kommen in ihrer Arbeit [1] zur Conclusio, dass eine Bereitstellung von Kontexten, die die Menschen dazu ermutigen verspielt sein zu dürfen, sich auszahlt, denn weniger verspielte und steife Arbeitsumgebungen ergeben auch weniger kreative Arbeitsleistungen und Arbeitsergebnisse.

Das klingt alles ganz logisch und für die “Betroffenen” beruhigend: Die (intellektuell) Verspielten dürfen also authentisch bleiben und somit ihrer verspielten Kreativität im “vertrauten kontextuellen Rahmen” den freien Lauf lassen.

Herzlichen Dank an Professor Dr. René Proyer und M.Sc. Kay Brauer von der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg für die Bereitstellung der Übersichtsarbeit für diesen Beitrag auf meiner Website.

Quellen:

[1] Proyer, R. T., Tandler, N., & Brauer, K. (2019). Playfulness and creativity: A selective review. In S. R. Luria, J. Baer, & J. C. Kaufman (Eds.), Creativity and humor (pp. 43-56). San Diego, CA: Academic Press. 

[2a]McGhee, P. (2010). Humor: The Lighter Path to Resilience and Health.

[2b]McGhee, P. (2010). Humor as Survival Training for a Stressed-Out World: The 7 Humor Habits Program.