Apothekenmitarbeiter: Systemrelevante Schutzengel

Die Pandemie hält uns auf Trab. Nie hat ein Thema so viele Menschen erreicht, wie diese Pandemie. Es gibt kein Szenario für dieses Drama. Es gibt keinen Autor, der weiß wie der Plot der Geschichte ist. Es ist eine Improvisation: Eine (fr)agile Naturkatastrophe. Die Politik wird sich beweisen: Ich bin mir sicher, dass sie Deutschland durch die Krise bringt. Daran habe ich keine Zweifel. Kommen wir aber da mit durch und lernen wir Einzelnen etwas daraus? Und auch heute ist es hier „nur“ emotional und deshalb „off science“.

Wir brauchen Kräfte für eine lange Distanz

Wir Menschen im Gesundheitsdienst, werden uns nicht über Mangel an Arbeit beklagen. Im Gegenteil: Wir erfüllen den Versorgungsauftrag. Wir kümmern uns um den Schutz der Gesunden und um die Behandlung der Kranken. Aber wir müssen schauen, dass wir das Feld nicht vorzeitig und kurzfristig verlassen müssen und dass wir nicht aus dieser Front als “gezeichnete”, kranke Veteranen zurückkehren. Der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter ist nun keine bloße Floskel: Die Gefahr ist da!! Ich hoffe, dass inzwischen alle Apothekenmitarbeiter mit Maske, mit Kittel und mit Handschuhen arbeiten… 

Ist das nicht der Fall: Denkt dran – wir haben keinen Schutzengel! Jeder von uns Apothekenmitarbeitern muss die Verantwortung auch für sich selbst übernehmen.

Bitte setzt also den Trend (Maske, Handschuhe, Kittel) in eurer Apotheke durch, liebe PTAs! Die Kollegen (m/w/d) werden euch für diese Initiative danken!

Die Anforderungen dieses Berufes sind psychisch und körperlich hoch. Nun werden Apothekenmitarbeiter und Angehörige der Gesundheitsberufe als Helden des Alltags betrachtet. Wie werden diese Helden nun langfristig gewürdigt? Wird es das Ansehen der Gesundheitsberufe verbessern, oder werden sich junge Menschen immer doch noch lieber für Berufe außerhalb des Gesundheitswesens entscheiden? Eine ziemlich interessante Fragestellung für die arbeitspsychologische Forschung.

Krise ist der beste Stresstest für alles, was wir bisher schön aufgebaut haben. Für alles, was uns nett erschien. Die Frage: „Welches Projekt ist wieviel wert und welches sollten wir nicht weiterverfolgen?“– wird sich unsereins in den nächsten Wochen anders beantworten, als noch „gestern“.

Wer ist in unserem System nicht relevant?

Ein entwickeltes System ist komplex: Es ist ein großes Netzwerk mit vielen zentralen Knoten, die untereinander in Beziehung stehen. Wer und was gilt jetzt in dieser globalen Krise als „systemrelevant“? Gesundheitswesen, Wissenschaftler aller Art, Elektriker, IT- Menschen, Medien, Verkäufer, Reinigungspersonal, Banken, Postboten, Bauer, Gastarbeiter aus Polen, die bei der Ernte oder der Pflege helfen oder werden es doch Gasthäuser sein, die zu Krankenpflegestationen umgebaut werden? Systemrelevant sind hier alle, wenn wir den gewohnten Luxus beibehalten wollen. Da wären wir bei Gerechtigkeit, bei „alle Menschen sind gleich“ und dass nicht der Titel im Leben zählt, sondern der Mensch. Dass der Bauarbeiter, Handwerker, die PTA & Co. genauso viel Anerkennung verdienen wie ein Apotheker, ein Manager oder Chief of XYZ in Hemd, Krawatte und Anzug. 

New Work oder doch lieber Old Work

Durch die Arbeit in Home-Office wird einigen bald klar, welche wichtige Funktionen der Arbeit nun wegfallen: Die sozialen Kontakte, die räumliche Gegebenheiten und die Zeitstrukturierung. Und auch hier werden einige ihre Lebenserfahrung machen und sehen, dass auch die schnellste Internetverbindung menschliche Kontakte nicht ersetzten kann. Wen packt doch die Sehnsucht nach dem guten „Old Work“? Vielleicht erkennen auch diejenigen, die bisher meisterhaft lieber E-Mails geschrieben haben, dass der Griff zum Telefon arbeitsorganisatorisch effizienter und auch menschlicher ist.

Wer läuft auch durch die Krise mit uns mit?

Jeder kann sehr viel lernen in diesen Tagen, Wochen, Monaten: Wer steht uns bei? Wer ist wirklich da, wenn es einem schlecht geht? Wer findet uns immer noch „cool“, wenn wir gerade nicht „cool“ sein können? Wer fragt, wer kümmert sich? Wer würde uns notfalls (mit Maske und Handschuhen!) auf den Armen bis zum Krankenhaus tragen?

Ein küchenpsychologisches Inventar, um Spreu vom Weizen zu trennen: Um „Freunde“ von Freunden zu unterscheiden. Ich denke es wird vor allem denjenigen klar, die das Coronavirus wirklich trifft, welchen Stress sie sich sonst im Leben sparen können. Genauso wie sich die Politik beweisen muss, so müssen sich auch die einzelnen Menschen mit ihrer Verantwortung und Fürsorge beweisen.

Und dann, wenn wieder auf der Welt „die Sonne scheint“, können wir diejenigen, die diesen Freundesstresstest bestanden haben, auch getrost wieder in die Arme nehmen.